hamburgtriathlon

Ein altes Sprichwort sagt: „Man möge sich vor seinen Wünschen ein bisschen fürchten. Sie könnten in Erfüllung gehen“. Oder wie ich es inzwischen beschreiben würde: „Hüte dich vor Verlosungen und Gewinnspielen. Du könntest gezogen werden“. Triathlon mit sechs Wochen „Vorbereitung“.

Es ist so oft dasselbe Spiel bei mir. Übermüdet oder krank mache ich bei einem Gewinnspiel mit oder rufe irgendwo hier und schwupps muss ich irgendwo rennen. Als Carsten mir im Januar vom Hamburg Triathlon erzählte, war ich irgendwie doch etwas froh, dass er ausgebucht ist. Schade, aber muss man halt doch nicht starten. Meine Midlife Crises dürfen später starten. Vor ca. sechs Wochen lag ich nicht grad fit im Bett, sehe ein Gewinnspiel der Stadt Hamburg, um einen Startplatz zum Hamburg Triathlon zu gewinnen. Nicht nachgedacht, geklickt, weiter geschlafen, vergessen. Dann kam die Mail: Ich habe gewonnen. Ups. Erst Schock, was nun? Dann kam aber die Freude. Sechs Wochen Vorbereitung für einen Tria sollte doch reichen? Torsten von Twitter rennt regelmäßig einen Ironman ohne Training, dafür aber mit Tomatenmark. Das sollte sich ausgehen. Es ist ja auch nur die olympische Distanz: 1,5km schwimmen, 40km radeln und 10km laufen. Alles überschaubar und somit nahm ich das Abenteuer an.

Vorbereitung:

Neben dem normalen Training sah meine zielgerichtete Vorbereitung wie folgt aus: Ich war drei Mal schwimmen. Natürlich nicht im Freiwasser. Und natürlich habe ich auch die 1500m nicht einmal durchgeschwommen. Also ich hab es einmal probiert, aber es gab nur richtig böse Krämpfe in den Beinen. Ein Koppeltraining habe ich auch nicht gemacht.

Das war meine Vorbereitung. Wird schon klappen.

Ziel:

Oft habe ich drüber nachgedacht, was mein Ziel, meine Strategie sein wird. Die erste Antwort war sehr einfach: Langsam, genießen, ankommen, Berlin Marathon nicht gefährden. Und im Detail:

Meine Schwimmzeit schätzte ich auf ca. 45-50 Minuten. Je nachdem wie gerade ich schwimmen werde. Und ich habe mich für durchgängiges Brustschwimmen entschieden. Ich kann einfach noch kein Kraulschwimmen. Das Radfahren würde ich quasi als Erholung nehmen. Ich schätzte auf 1:30h. Das entsprach meiner Trainingsrollgeschwindigkeit. Und den Zehner bitte knapp unter 1h. Denn schneller wird nach dem Anderen bestimmt nicht drin sein. Langsamer fände ich aber auch blöd.

Bleibt noch die vierte Disziplin: Die Wechselzone. Hier wollte ich mir Zeit lassen. Ich habe keine Erfahrung damit und bevor ich was vergesse oder was falsch mache. Also alles in Ruhe und mich in Ruhe versorgen.

Als Gesamtzeit wollte ich auf jeden Fall unter 4h bleiben. Gerechnet habe ich mit ca. 3:30h. Nicht schnell, aber easy.

Eine Frage blieb aber noch: To Neo or not to Neo. 19 Grad sind sicherlich nicht als warm zu beschreiben. Einen Neo wollte ich mir aber nicht kaufen, einen leihen aber auch nicht. Wenn man nicht mit Neo geübt hat, sah ich es nur als Risiko an. Also kein Neo.

Das Rennen

Hamburg begrüßte mich am Sonntag morgen, wie es sich für das Klischee gehört: Mit Regen. Wie blöd, nun werde ich noch beim schwimmen nass. Im Ernst, ich fands echt blöd. Ich habe keine Wegwerfkleidung mitgenommen und werde also in Badehose im Regen stehen. Das klingt nicht warm und war es auch nicht. Also habe ich zwei mal das Aerobic warm up Programm mitgemacht. Das hat geholfen.

Ich naiver Typ dachte, ich kann langsam und sachte in die kalte Alster wandern. Statt dessen schaute ich in den Abgrund. Eine Kante und da soll ich reinspringen. Mut machte mir auch nicht, dass bestimmt zehn Leute zu mir sagten: „Ohne Neo? Das ist aber mutig“. Ich sah eine Leiter und dachte: „Da gehe ich nun sehr langsam runter.“ Die Beine waren im Wasser, aber von langsam war keine Rede. Es wollte noch zig andere da runter und in zwei Minuten ist der Startschuss. Also fallen lassen. Fluchen, schimpfen und ans Startseil schwimmen.

Das Schwimmen war unspektakulär. Ich war nicht letzter trotz Brustschwimmen. Damit alles gut geht, habe ich mich drei Mal auf den Rücken gedreht zur Erholung. Auch habe ich immer auf meine Beine geachtet, dass sie nicht krampfen. Die letzten 150m waren grenzwertig. Ich merkte die Krämpfe wollen kommen, aber dem konnte ich entgegentreten.

Nun verstehe ich auch, warum Helfer am Ausstieg stehen. Da kommt man ja nun wirklich nicht raus, die Beine wollen einfach nicht. Und dann noch barfuß zum Radl rennen. Aber es ging. Ich staunte selbst über mich.

Schwimmen: 0:40:57

Die Wechselzone war unspektakulär, einen längeren Bericht erspare ich euch. Umziehen, versorgen, weiter. (0:08:56)

So sah meine Wechselzone aus

So sah meine Wechselzone aus

Rauf auf das Rad und los gehts. Die Radfahrt erwartete ich auch als unspektakulär und so war sie auch. Nach 500m habe ich mir erstmal mein Marmeladen Brötchen aus der Jackentasche gepuhlt und genüsslich bei der Fahrt verspeist. Die Blicke dazu waren noch köstlicher als das Brötchen selbst. Vor allem von denen, die mit ihren Highendrädern vorbeifuhren, aber auch vom Publikum. Die Entscheidung würde ich immer wieder so machen. Gute und Magen freundliche Energie. Bei der Fahrt machte mir nur Sorge, dass überall Leute am Rand waren, die ihre Reifen flickten. Das waren zig! Einen Ersatzschlauch hatte ich mit, mehr aber nicht. Aber alles gut gegangen.

Auch eine Cola schmeckt super auf dem Radl

Auch eine Cola schmeckt super auf dem Radl

Rad: 1:28:08

Wechsel2: 0:05:41

Der Wechsel zum Laufen war fies. Ich verlies die Wechselzone und ahnte schon, dass es fies wird. Aber so fies? Die ersten 3km waren echt gemein. Die Beine waren unkoordiniert, der Puls ewig hoch, die Lunge pfiff. Ich bin dann mal stehen geblieben, Puls runter und dann ging es. Es brauchte wohl wie beim ICE einen Reset.

Den Ziel Einlauf habe ich sehr genossen. Der letzte Kilometer ging voll durch die Menge. Eine Riesenstimmung und der Moment, in dem ich realisierte: „Shit, du beendest grad n Tria.“

Jubeln hab ich vom Kunz gelernt. Tempo nicht.

Jubeln hab ich vom Kunz gelernt. Tempo nicht.

Laufen: 0:56:28

3:20:08. Damn, die 9 Sekunden hätte ich auch noch rausgeholt. Nein, ich bin happy. 10 min schneller als mein schnellster Wunsch. Yeah.

Was bleibt von diesem Tria?

Hamburg ist und bleibt eine geile Sportstadt. Der Marathon war der Hammer und auch dieser Tria hat sehr viel Freude gemacht. Ich glaube, Hamburg wäre ein riesen Gastgeber für die olympischen Spiele gewesen. Aber bei der Wahl hätte ich auch gegen Olympia gestimmt mit Blick auf fehl gelaufene Großprojekte. So kann Hamburg weiter tolle Marathons, Trias und sonstiges machen!

Und bin ich nun Triathlet? Noch nicht. Sowas ist man nicht nach einem Wettkampf. Außerdem war es für mich, dass ich drei Sportarten gemacht habe, aber keine richtig. Aber vielleicht mache ich einfach mal alle richtig? Mal gucken.

Es war aber großartig einen Tria mal gemacht zu haben. Gewinnspiele sind vielleicht doch ganz gut.

Aufgezeichnet am 17.7.2016 Veröffentlicht am 15.8.2016

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